Denk mal Mach mal

Feminismus 2019 – oder generisches Maskulinum vs. Femininum

Ich mag Twitter. Ich habe auf dem 2. Social Media Marketing Barcamp letztes Wochenende sogar jemanden davon überzeugen können, Twitter wieder zu nutzen bzw. eine zweite Chance zu geben. Aber das ist eine andere Geschichte. Und ich sollte zum eigentlichen Thema kommen: Feminismus im Jahr 2019. Ist er noch notwendig? Wer sollte Feminist.in sein? Sollte man/frau (nicht ernst gemeint, weil es echt keinen Sinn macht ;) ) überhaupt Feminist.in sein? Diese ganzen Gedanken lassen mich seit heute morgen nicht mehr los. Denn ich habe Twitter auf gemacht…

Auf Twitter finden oft konstruktive und geistreiche Diskussionen zu aktuellen, politischen und vor allem auch Gender und Feminismus Themen statt. Und genau dafür mag ich Twitter. Mit Worten spielen und die Welt versuchen besser zu machen, das klappt nur auf Twitter. Und so bin ich heute morgen auf folgenden Tweet gestossen:

Männerclubs. 🙄https://t.co/WsFDoGykg3— Silke Gutjahr 🌸 (@paulinepauline) 29. März 2019

Quelle Twitter (https://twitter.com/paulinepauline/status/1111442605722619904?ref_src=twsrc%5Etfw)

Im verlinkten Artikel geht es um einen Beitrag bei Wikipedia, in dem eine Frau eine Liste mit Science-Fiction-Autorinnen eingestellt hat und ein Admin (männlich) ihn löschen lassen wollte. Nach einigem Hin und Her wurde er tatsächlich gelöscht. Mittlerweile ist er von einem weiblichen Admin wohl wieder hergestellt worden, aber bei nur 10% Frauen-Anteil bei Wikipedia, ist es scheinbar nur eine Frage der Zeit, bis er doch wieder gelöscht wird. (Wenn ihr alle Einzelheiten dazu wissen möchtet, lest euch den Artikel gerne durch.)

Im Artikel wird auch geschrieben, dass Wikipedia generell das generische Maskulinum benutzt und da fing ich an darüber nachzudenken, was das bedeutet:
– Das wieder alle Frauen und alle, die nicht männlich sind, nur mitgemeint/mitgedacht sind.
– Das es bei Wikipedia kein * oder Binnen-I gibt und dadurch eigentlich immer nur von Männern die Rede ist.
– Das es zwar Studien (https://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1026//0033-3042.52.3.131?journalCode=pru) gibt, dass sich eben doch nicht alle angesprochen fühlen beim generischen Maskulinum, dass es aber keine ernsthaften Bestrebungen gibt, dies zu ändern.

Bild mit Lettering zum Thema Feminismus 2019 - generisches Maskulinum vs. Femininum - meine Gedanken - Increase Creativity

Feminismus im Jahr 2019

Und plötzlich fallen mir so viele Beispiele ein, die einfach eher ins Jahr 1950 passen, als ins Jahr 2019. Eine Lehrerin (weiblich) die mit der Montessori-Methode (entwickelt von Maria Montessori, weiblich) im Deutschunterricht Arbeitsblätter aus einem Montessori-Arbeitsheft kopiert und dort nur „Ich, Du, Er, Wir, Ihr, Sie“ bei den Personalpronomen vorkommen. Dass also „Sie und Es“, bei der 3. Person Singular fehlen. Und es keinem außer mir bisher aufgefallen ist, dass die Kinder die deutsche Sprache ohne alle Personalpronomen lernen. Und das im Jahr 2019. Ich habe in der Schule noch alle Personalpronomen gelernt. Wie kommt es bloß zu diesem Rückschritt? Es sollte keine Frage von Platz und Layout sein, wenn es darum geht eine Sprache zu lernen!

Wer sollte Feminist.in sein?

Jede.r sollte Feminist.in sein! Alle Frauen sind davon betroffen und auch wenn es ja schon immer so war und wir doch mitgemeint sind, sollten wir darauf bestehen auch genannt zu werden. Oder könnt ihr euch vorstellen, wie stellen einfach auf das generische Femininum um und die Männer sagen nix? Sie sind ja schließlich mitgemeint!

Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen und es sollte auch einfach keiner nur mitgemeint sein! Leider habe ich auch keine perfekte Lösung parat und weiß auch nicht, wie wir alle Geschlechter miteinbeziehen können. Aber es gibt immer wieder positive Beispiele, wie United Airlines, die Mx als dritte und vierte Option beim Geschlecht neben Mr und Ms als erste Fluggesellschaft anbieten (https://www.blu.fm/aktuell/ausland/united-nonbinary/). Und niemandem bricht ein Zacken aus der Krone, wenn eine oder zwei Optionen dazu kommen.
Es ist kein Kuchen, niemandem wird etwas weggenommen, es kommt einfach nur etwas dazu!

Auch ich merke, dass es mir schwer fällt, diesen Text zu schreiben und nicht ins generische Maskulinum zu verfallen, es ist einfach schon zu lange in den Köpfen! Und muss da dringend raus! Und wenn in der Tagesschau nur im generischen Maskulinum über den Girlsday und Boysday berichtet wird, läuft doch irgendwas schief. Oder?

Bericht über #GirlsDay und #BoysDay gerade in der @tagesschau: Durchgängig generisches Maskulinum. Muss es wirklich sein, dass Mädchen wieder unsichtbar werden, nur weil auch Jungen mitmachen?— femInsist (@femInsist) 28. März 2019

Quelle Twitter (https://twitter.com/femInsist/status/1111347034521522176?ref_src=twsrc%5Etfw)

Was kann jede.r Einzelne.r tun?

– Auf die Sprache achten.
– Selber nicht mehr das generische Maskulinum benutzen.
– Darauf hinweisen, dass mitgemeint eben nicht mit gedacht und genannt ist.
– Endlich raus aus der #rosahellblau Falle!
– Sich jedes Mal bewusst machen, dass es kein Kuchen ist und niemand bei der ganzen Diskussion etwas weggenommen bekommt. Es kommt nur etwas dazu!

Und vor allem dran denken, dass es an der Zeit ist, dass eine Generation heranwächst, für die es ganz normal ist, alle zu nennen, die gemeint sind! Und das auch bei Wikipedia oder sogar gerade dort, alle genannt und nicht nur gemeint werden!

Jetzt würde mich natürlich noch brennend interessieren, wie ihr das seht! Hinterlasst es mir gerne in den Kommentaren oder diskutiert mit mir (@diephotographin) und allen auf Twitter.

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  1. Gute Idee. Ich finde auch, dass wir einfach mal für die nächsten 50 Jahre tauschen könnten.

  2. Wie wäre es denn, wenn nur noch das generische Feniminum benützt würde? Da sind ja schließlich alle eingeschlossen.
    Ärztinnen
    Sekretärinnen
    Raumfahrerinnen
    Geburtshelferinnen
    Autofahrerinnen
    Altenpflegerinnen
    Besucherinnen
    :-)
    Just my two Cents!

  3. Liebe Sigrid,

    danke für deine ausführliche Antwort! Und das man/frau war tatsächlich nicht ernst gemeint, vielleicht sollte ich aber man(n) draus machen. Ich finde es wirklich albern, wie dann man/frau gesagt/geschrieben wird, obwohl es da eben echt nicht hin gehört. Ich markiere das gleich mal als Satire oder so.

    Lieben Gruß | Barbara

  4. Wow…dazu hätte ich in der Tat Einiges zu sagen.
    1. Das kleine Wörtchen ‚man‘ gehört keinem Geschlecht, sondern ist lediglich ein Pronomen. Hat auch prinzipiell nichts mit dem ‚Mann‘ zu tun.

    2. Habe ich in 11 Jahren Unterrichtspraxis noch kein Arbeibtsblatt gesehen, wo in der 3. Person Singular nicht alle Geschlechter vorkommen. Aber von Maria Montessori habe ich noch nie viel gehalten.

    3. Habe ich gerade im Pädagogischen Bereich schon einige Bücher gelesen, die ein generisches Feminin benutzen. Wer soll sich da diskriminiert fühlen?

    4. würde es leider den Rahmen sprengen hier alles zu schreiben, was mir dazu einfällt.

    Meiner Meinung nach gibt es noch viel zu tun, was die „feministische“ Bewegung betrifft. – die Anführungszeichen sind Absicht.

    Wichtig ist es jedoch solche Artikel zu schreiben, einfach um eine ‚Awareness‘ zu schaffen.
    Danke, Barbara!

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